So lesen Sie ein Weinetikett
Ein Weinetikett packt viele Angaben auf wenig Platz, und Flaschen aus ganz verschiedenen Ländern nennen größtenteils dieselben. Wenn Sie wissen, wo Sie hinschauen müssen und was die gängigen Wörter bedeuten, verrät Ihnen das Etikett, woher der Wein kommt, oft auch die Rebsorte, wie süß er ist und aus welchem Jahr die Ernte stammt.
Vorder- und Rückseite
Auf dem Frontetikett stehen meist der Name des Weins, die Herkunft und der Jahrgang. Das Rückenetikett enthält die gesetzlichen Angaben und manchmal eine kurze Beschreibung. Lesen Sie beide: Was auf der einen Seite fehlt, steht oft auf der anderen.
Herkunft und Appellation
Die Herkunft ist der Ort, an dem die Trauben gewachsen sind: ein Land, eine Region oder ein kleines benanntes Gebiet. Rioja, Chablis, Mosel und Champagne sind solche Orte, die mit Namen auf Etiketten stehen.
Viele dieser Namen sind geschützt. Ein geschützter Name heißt, dass der Wein den schriftlich festgelegten Regeln seines Ortes folgt, etwa zu erlaubten Rebsorten und Methoden. Die Zeichen sind kurz, und die Sprache hängt vom Land ab:
- AOC oder AOP in Frankreich. Die geschützte Ursprungsbezeichnung der Europäischen Union steht in der jeweiligen Landessprache: auf Französisch AOP, auf Italienisch und Spanisch DOP, auf Deutsch g.U.
- DOC oder DOCG in Italien.
- DO oder DOCa in Spanien.
- IGP oder IGT für Weine aus einem größeren Gebiet mit lockereren Regeln.
- Landwein (g.g.A.), Qualitätswein und Prädikatswein (beide g.U.) in Deutschland; in Österreich zusätzlich DAC.
Ein solches Zeichen sagt, wie der Wein geregelt ist, nicht wie er schmeckt. Sehen Sie es als eine weitere Angabe, nicht als Urteil.
Die Rebsorte
Ein sortenreines Etikett nennt eine Rebsorte, und der Wein besteht überwiegend oder ganz aus ihr; der genaue Anteil hängt vom örtlichen Recht ab. Eine Cuvée nennt mehrere Rebsorten oder keine. Viele europäische Etiketten geben den Ort an und lassen die Rebsorte weg. Um herauszufinden, welche Rebsorte Ihnen gefällt, schlagen Sie also nach, was dieser Ort erlaubt.
Süße bei Stillwein
Die Süße reicht von trocken bis süß, und jede Sprache hat eigene Wörter. Für trocken finden Sie Dry, Sec, Trocken, Secco oder Seco. In der Mitte liegen off-dry, halbtrocken, lieblich, Moelleux, Abboccato oder Semi-seco. Kabinett, Spätlese und Auslese geben die Reife der Trauben bei der Lese an, nicht die Süße; eine Spätlese kann trocken sein. „Feinherb“ ist kein gesetzlicher Begriff und liegt meist um halbtrocken. Süße Weine heißen Sweet, Doux, Dolce, Dulce oder Süß.
Nicht jeder Stillwein gibt seine Süße an. Ist sie Ihnen wichtig, schauen Sie auf das Rückenetikett oder fragen Sie im Laden.
Süße bei Schaumwein
Schaumwein hat eine eigene Skala, die Dosage-Begriffe. Sie stehen auf Flaschen aus vielen Ländern auf Französisch oder Englisch; deutscher Sekt druckt sie oft auf Deutsch: extra trocken (= Extra Dry), trocken (= Sec), halbtrocken (= Demi-Sec), mild (= Doux). Sie sollten sie genau so lesen, wie sie gedruckt sind. Vom trockensten zum süßesten:
- Brut Nature: die trockenste Stufe.
- Extra Brut: sehr trocken.
- Brut: trocken und sehr häufig.
- Extra Dry: süßer als Brut, trotz des Namens.
- Sec: noch süßer; bei Schaumwein bedeutet es nicht dasselbe wie bei Stillwein.
- Demi-Sec: deutlich süß.
- Doux: die süßeste Stufe.
Merken Sie sich die zwei Fallen: Extra Dry ist süßer als Brut, und Sec ist bei Schaumwein nicht trocken.
Jahrgang und NV
Eine vierstellige Jahreszahl ist der Jahrgang, das Jahr der Traubenernte. NV (Non-Vintage) steht vor allem in Händlerlisten; auf deutschen Etiketten fehlt es meist. Gemeint ist: Der Wein ist aus mehreren Jahrgängen verschnitten, was bei Schaumwein üblich und meist Absicht ist. Alltagsweine, besonders Verschnitte, tragen oft keine Jahreszahl; das ist normal.
Das gesetzlich Vorgeschriebene
In vielen Märkten, auch in der Europäischen Union, muss ein Etikett Alkoholgehalt, Flaschenvolumen, Abfüller und Herkunftsland nennen und Allergene wie Sulfite ausweisen. Bei Weinen, die ab Dezember 2023 erzeugt wurden, steht außerdem der Brennwert auf dem Etikett, die Zutaten oft hinter einem QR-Code; deutscher Qualitätswein trägt außerdem die A.P.-Nr. Lesen Sie das auf der Flasche selbst; diese Anleitung nennt keine Werte, weil sie von Flasche zu Flasche abweichen.
Wenn eine App für Sie liest
Easy Wine App, ein KI-Sommelier für das iPhone, liest diese Wörter von einem Regalfoto ab und ordnet die Weine nach Ihrem Geschmack und Budget. Sie kann sich irren. Prüfen Sie deshalb Alkoholgehalt, Allergene und Herkunft auf der Flasche. Wie Ihnen diese Angaben helfen, ein Regal einzugrenzen, steht in „So wählen Sie im Laden einen Wein aus“.